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7.Saxonia-Distanz
Kein Geländeritt für Landratten
Zum dritten Mal war die „Pension im Heidebogen – Zum alten Bauernhof“ in Tauscha Gastgeber der Saxonia-Distanz, die längst schon kein Geheimtipp mehr ist für guten Distanzsport in schöner Landschaft, professionelles Veranstaltungsmanagement und Gastfreundlichkeit. So fühlte man sich in der Königsbrücker Heide nördlich von Dresden auch diesmal wieder herzlich willkommen bei Michael Gansmüller und seinem Team, das für exzellentes Catering sorgte und auch sonst manch kleinen und großen Extra-Wunsch der Gäste erfüllte, ebenso wie bei den Veranstalterinnen Franziska Koppe und Claudia Hoyer, die sich erneut mit großem Engagement und Liebe zum Detail in die Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung gestürzt hatten. – Was diesmal allerdings nicht mitspielte, war das Wetter. Da die Distanzreiter in dieser Saison allerdings ohnehin schon gezwungen waren, sich regenfest auszustatten, wurde auch das im wahrsten Sinne des Wortes ausgesessen, war doch in den Vormonaten schon so manches Event in den Fluten versunken.
Für internationales Flair sorgen auch 2011 einmal mehr prominente Teilnehmer aus Tschechien. Antonin Terber – den deutschen CEI-Reitern bestens als Veranstalter des beliebten FEI-Rittes in Most bekannt – war mit seiner Crew und einigen Reitern angereist, darunter die 12jährige Tanja Terberova, die mit ihrem Welsh-Pony Kastan im KDR über 42 km an den Start ging. Begleitung für die Jugendreiterin wurde gesucht und gefunden in Person von Marian Pügner aus Sachsen, für die - da ließ man sich nicht lumpen – man den international erfolgreichen Joulik de Villeneuve sattelte. In Anbetracht solch einer Kombination war der Doppelsieg des deutsch-tschechischen Quartetts in knapp 15 km/h kaum noch verwunderlich! Platz drei ging an Pauline Radtke mit Diego und Friederike Schwarz mit Mona Lisa.
Auch im KDR über 55 km hätte es fast zu einem tschechischen Sieg gereicht. Gegen Anna Matuskova mit Latenic konnte sich allein Doreen Oertel mit ihrem Reitpony Chipsy in 14,3 km/h behaupten. Platz drei ging Anette Seidel mit Nazmahari.
Interessant besetzt war der MDR über 69 Kilometer. Hier sah man die sächsische Meisterin von 2009 und Vizemeisterin von 2010 Conny Schwedler am Start, ebenso ihren hartnäckigen Verfolger Veit Koppe, aber auch die in dieser Saison gut in Tritt gekommenen Kabardiner von Roland Kälberlach und Anett Werner aus dem Brandenburgischen Müncheberg. Letztlich hatte Conny Schwedler den Sieg mit ihrem erfolgreichen DM-Pferd Iris de Soult der Tatsache zu verdanken, das Veit Koppes Trakehner Filou Rouge kurz vor der Ziellinie die Notbremse zog und damit ein Hand-in-Hand-Reiten vereitelte. Man hätte vielleicht auch auf einen Doppelsieg entscheiden können, tat es aber nicht.
Ebenso knapp war die Entscheidung um den dritten Platz. Hier lieferte sich Blanca von Hardenberg mit dem Vollblutaraber Check In ein Finish mit den beiden Brandenburger Kabardiner-Reitern, hatte dann aber das Nachsehen, als ihr ein Auto den Weg versperrte. Nicht ganz so optimal also auch die Entscheidung um Platz drei, der letztlich an Roland Kälberlach an Parit vor Anett Werner auf Evita ging. Mit 17,3 und 15,5 km/h waren die Konkurrenten um die vorderen Plätze flott unterwegs gewesen.
Über 84 Kilometer gingen nur zwei Reiterinnen an den Start, die den Ritt auch gemeinsam als Siegerinnen beenden konnten: Judith Schillmann mit dem Trakehner Hengst Osharin’s Peron und Jana Weingart mit ihrer Arabischen Vollblutstute Lisea.
Im strömenden Regen machten die drei in der Wertung verbliebenen 124-Kilometer-Reiterinnen von der Möglichkeit Gebrauch, den Wettbewerb nach 107 Kilometern zu beenden. Auch hier hatte mit Tereza Kucharska auf Haydee eine Teilnehmerin aus Tschechien die Nase vorn. In 12 km/h setzte sie sich gegen Annika Rupp auf dem Achal-Tekkiner Ellian und Shaun Armstrong-Arndt auf Chico Chocolate durch.
Die Erinnerung an das turbulente Wochenende im Heidebogen – wie triefend und verschwommen sie auch sein mag – bleibt positiv. Spannender Sport, ein engagiertes Team. Wer kann schon fürs Wetter.
Miriam Lewin
ENDURANCE PHOTO - Bilder von der 7. Saxonia 2011 von Miriam Lewin
Moritzburg bekommt Konkurrenz
Manfred Müller
über das Distanzreiten in Tauscha
Tauscha ist auf dem besten Wege, ein Reiterparadies zu werden und dem benachbarten Moritzburg heftig Konkurrenz zu machen. Das liegt zum einen an den idealen Bedingungen: Auf der Gemeindeflur treffen die Laußnitzer, die Radeburger und die Rödersche Heide zusammen und bilden einen zusammenhängenden Landschaftsgürtel, der für Langstrecken-Reiter wie geschaffen ist. Zum anderen haben die Reitsportler in Tauscha eine starke Lobby. Das zeigte sich bei der Organisation des Distanzreitens am Wochenende. Der Tauschaer Heimat- und Reitverein, die Agrargenossenschaft, die Gewerbetreibenden im Dorf und die Förster der umliegenden Reviere zogen an einem Strang, so dass der Wettbewerb störungsfrei über die Bühne gehen konnte. Und Tauscha hat ein weiteres Plus: Das vorbildlich gepflegte Reitwegenetz ist nicht so stark frequentiert wie die Wälder rings um Moritzburg. Alles zusammen lässt für die Zukunft des Reittourismus in der Region hoffen.
Montag, 24. August 2009
(Sächsische Zeitung)
Sachsens beste Distanzreiter gekürt
Von Manfred Müller
Vor dem Wettkampf müssen alle Pferde durchgecheckt werden, hier untersucht Tierärztin Claudia Herrmann die Vollblut-Araberstute „Estrada“.l
Neben dem Sachsen-Championat gab es Wettbewerbe über sieben, 40 und 70 Kilometer, mit dem der Distanz-Nachwuchs, die Einsteiger und die Mittelstrecken-Freaks angesprochen werden sollten. Insgesamt gingen bei der Saxonia Distanz 50 Wettkämpfer an den Start. Eine Gruppe tschechischer Reiter sorgte für internationales Flair.
„Unser Sport bietet die ideale Balance zwischen Wettkampf und Freizeitvergnügen“, erklärt Franziska Koppe vom Verein Deutscher Distanzreiter (VDD). „Wer ambitioniert ist, kämpft um eine Platzierung, alle anderen haben einfach einen schönen, erlebnisreichen Ritt.“ Wer einen Wettkampf bestreitet, muss allerdings eine Mindestgeschwindigkeit einhalten, um in der Wertung zu bleiben.
Andererseits darf man sein Pferd aus Gründen des Tierschutzes nicht zu sehr belasten. Es werden Schleifen von maximal 30 Kilometern geritten, danach ist ein Zwischenhalt vorgeschrieben, bei dem die Pferde tierärztlich untersucht werden. Beträgt die Pulsfrequenz nach 20 Minuten Ruhepause mehr als 64, wird das Tier aus dem Rennen genommen. Wer sein Pferd zu sehr beansprucht hat, der kann auch nach dem Zieleinlauf noch disqualifiziert werden.
Ausscheid erstmals in Tauscha
Das alles macht Distanzreiten zu einer höchst sensiblen Sportart. Der Reiter muss das optimale Tempo seines Pferdes erkennen, das Tempo der Bodenbeschaffenheit anpassen und die im Wettkampf vorgeschriebenen Zeiten einhalten können.
„Das Reitwegenetz ist hier ideal“, erklärt Mitorganisatorin Claudia Bullmann. „Außerdem sorgt die Pension Gansmüller für Unterkunft und Verpflegung, so dass wir uns voll und ganz auf den Wettbewerb konzentrieren können.“ Im Gebiet rund um Tauscha ist in den vergangenen zehn Jahren ein vorbildliches Wegenetz angelegt worden. Es gibt eine Langstrecke durch die Laußnitzer Heide, die Tauscha mit der Lomnitzer Buschmühle verbindet. Auch zur Königsbrücker und Radeburger Heide existieren Verbindungen. Deshalb hat Tauscha gute Chancen, eine feste Größe in der Wettkampfplanung der sächsischen Distanzreiter zu werden.
Quelle: Sächsische Zeitung vom 24.08.2009
Sächsische Meisterschaften im Distanzreiten
Mirok trabt allen davon
Im nördlich von Dresden gelegenen Tauscha fand am zweiten Augustwochenende die SAXONIA-Distanz statt, bei der zugleich der sächsische Meister im Distanzreiten ermittelt wurde. Da sich der Austragungsort nur anderthalb Autostunden von der Bundeshauptstadt entfernt befand, machte sich freudig eine starke Berliner Phalanx auf den Weg, um die Veranstalterinnen Franziska Koppe und Claudia Bullmann zu unterstützen. So reisten aus dem Norden die Cheftierärztin Claudia Herrmann – frisch gebackene Assistentin des langjährigen Bundeskader-Tierarztes Martin Grell – an, der Brandenburger Regionalbeauftragte Stefan Kremzow – bekannt als „die Meldestelle“ schlechthin – sowie die schreibende und fotografierende Zunft in Personalunion mit dem VDD-Präsidium. Doch auch aus Sachsen erfuhr der Ritt kräftige Unterstützung: VDD-Ehrenratsmitglied Andreas Häfele stand als international erfahrener Reiter und Ratgeber in allen Lebenslagen ebenso zur Verfügung wie das „Urgestein des Galopprennsports“ Egon Würgau, der kräftig für die Veranstaltung geworben und Sponsoren gewonnen hatte. In dieser Hinsicht war auch Franziska Koppe unermüdlich gewesen, sodass Sieger und Platzierte attraktive Ehrenpreise mit nach Hause nehmen konnten. Das Team wurde komplettiert durch den immer gut gelaunten Tierarzt Tom Leupold.
Den 124-Kilometer-Ritt, der ab 84 Kilometern in der Wertung beendet werden konnte, nahmen vier Reiter in Angriff, drei davon aus Sachsen und somit wertungsberechtigt in der Landesmeisterschaft. Leider konnte sich die Stute der Gastreiterin in der zweiten Pause nicht weiterqualifizieren, sodass die drei Sachsen unter sich blieben. Bereits nach der ersten Runde hatte sich herauskristallisiert, wer hier das Rennen machen würde: Conny Schwedler setzte sich mit dem von Claudia Bullmann zur Verfügung gestellten 16jährigen Traberwallach Mirok klar von der Konkurrenz ab. Mirok hatte seinen letzten Auftritt im Rahmen der Deutschen Meisterschaften Ende Juni in Göttingen gehabt und war von seiner Besitzerin, die selbst im Sattel gesessen hatte, zurückgezogen worden, weil er – möglicherweise infolge einer leichten Vergiftung – Probleme bekommen hatte. Umso erfreulicher, dass er sich nun wieder in der alten, unverwüstlichen Top-Form präsentierte. Natürlich trugen auch Umsicht und Erfahrung seiner Reiterin Conny Schwedler zum Erfolg bei. Die in dieser Saison mit ihrem Halbblüter Fairbanks hoch erfolgreiche Amazone hatte erst kürzlich mit dem eigenen Pferd, das heute geschont wurde und zuhause bleiben durfte, die ersten 120 internationalen Kilometer bei einem CEI2*-Ritt bezwungen.
Als Axel Baldauf mit seinem 12jährigen Edel-Haflinger Felix und Rico Müller mit dem 8jährigen Welsh-Partbred Mr. Seven den Ritt Hand in Hand bei 84 Kilometern in der Wertung beendeten, war Mirok bereits auf der nächsten Runde zum 107-Kilometer-Vetgate. Da stand sein Sieg beinahe schon fest. Und nach der bestandenen Tierarztkontrolle in diesem Check machte sich die frisch gebackene Sachsen-Meisterin im Distanzreiten Conny Schwedler dann auch kein weiteres Mal auf den Weg. Nach 107 Kilometern in einer reinen Reitzeit von 08:35:00 h (12,47 km/h) war ihr der Titel sicher.
Konnten sich im LDR die beiden nachfolgenden Reiter gleichrangig an zweiter Position platzieren, entschieden über den Vizemeistertitel die besseren Regenrationszeiten des Pferdes in den Tierarztkontrollen. Hier lag Mr. Seven vor Felix, womit der Vizemeistertitel an Rico Müller ging. Mirok präsentierte sich in der Transportfreigabe am Sonntag noch immer so frisch und fit, dass ihm auch der attraktive Best Condition Award zuerkannt wurde.
Einen internationalen Touch verliehen dem Ritt die tschechischen Gäste, die den MDR über 70 Kilometer dominierten. In 06:02:00 h belegten Ljuba Stanojkovicova mit Bueno, Lenka Zajecova mit Gahira und Luisa Kopecka mit Robin 2 gemeinsam den ersten Platz.
Haflinger über Haflinger! „Rosi’s Reitschule“ war mit einem – habe ich richtig gezählt? – siebenköpfigen Aufgebot an „Blonden“ angereist und noch ein paar andere kamen hinzu, sodass das Arabergewohnte Auge der Endurance-Fotografin schon verblüfft war. Überhaupt waren verhältnismäßig wenige Wüstenpferde hier am Start. Neben den Thüringer Bergfüchsen dominierten Englische Vollblüter, Trakehner und Edle Warmblüter das Startfeld des kurzen Rittes. Dass der schwerkalibrige Quereinsteiger Rando (12) unter Andreas König hier als Sieger firmierte, nimmt ein wenig Wunder. Mit 18,9 km/h müsste er in 02:07:00 h im Tempo eines gut trainierten Arabers nahezu durchgaloppiert sein. Erklären ließe sich das nur durch eine gewaltige Trab-Übersetzung des schwerblütigen Riesen. Auch auf Platz zwei kam ein großrahmiger Warmblüter. Baldo (19) legte unter Alexandra Lege die Strecke in 02:26:00 h zurück. Platz drei sicherte sich Veit Koppe mit dem selbst gezogenen Trakehner Filou Rouge. Der sechsjährige Bruder des guten Distanzpferdes Fellini, der rein äußerlich die Graditzer Linie der Fiepe xx – Zigeunersohn xx nicht verleugnen kann, vom Interieur her aber, so sein Besitzer, eher gelassen ist, könnte eine spannende Distanz-Karriere vor sich haben.
Lustig wurde es noch einmal am Sonntagmorgen, als Rosi’s Haflinger-Truppe zur 7-Kilometer-Kinderdistanz aufbrach und ähnlich wie schon am Vortag im flachsblonden Gänsemarsch durchs Gelände zog. Insgesamt sieben Kinder hatten sich plus Begleitung auf den Weg gemacht, um einmal Endurance-Luft zu schnuppern. Sie wurden von Claudia Herrmann bei der Nachuntersuchung dann auch gewissenhaft in die Geheimnisse des korrekten Vortrabens eingeweiht, um schließlich stolzerfüllt allesamt in „Leistungsklasse 1“ zu landen.
Ermöglicht wurde die schöne Veranstaltung, die bei allen Teilnehmern viel Anklang fand, durch die Gastfreundschaft von Isolde Rienecker und Michael Gansmüller, der seine Anlage mit ihrer hervorragenden Infrastruktur (Versorgung & sanitäre Einrichtungen) zur Verfügung gestellt hatte. Auch war trotz des rigiden sächsischen Waldgesetzes eine kooperative Zusammenarbeit mit der Forst geglückt, sodass sich die Reiter über eindeutige Markierungen in schöner Landschaft freuen konnten. Michael Gansmüller als Gastgeber jedenfalls lud die Distanzreiter wieder ein, und so hofft man, dass die SAXONIA in Tauscha ein neues, komfortables Zuhause gefunden hat.
Miriam Lewin